Jahresbericht 2014 des Bundesvorsitzenden

Hasenberg-1009-13- 014Jahresbericht des Bundesvorsitzenden des Evangelischen Sängerbundes e.V. für das Jahr 2014 auf der Bundeshauptversammlung am 13. Juni 2015 in Kassel

Gott nahe zu sein ist mein Glück. / Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den HERRN. (Einheitsübersetzung / Lutherübersetzung, Psalm 73,28, Jahreslosung 2014)

 

 

 

 

Seit der Gründung des Evangelischen Sängerbundes 1898 sind mittlerweile 116 Jahre vergangen. Martin Leuchtmann berichtete in der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des Evangelischen Sängerbunds (“Dem Volk ins Herz singen”), dass in der Geburtstunde am 11. Juli 1898 in einer einleitenden Gebetsgemeinschaft ernstlich darum gebeten worden sei, “dass der Herr die Gründung vereiteln möchte, wenn es nicht seine Sache ist”. Nach 116 Jahren ist zweifellos festzustellen, dass Gott der HERR die Sache “Evangelischer Sängerbund” damals nicht vereitelt hat.

Aber wie lange noch ist das seine Sache? So fragen sich nicht wenige Menschen besorgt und verunsichert, die der Arbeit des Evangelischen Sängerbundes verbunden sind oder verbunden gewesen sind. Mir ist in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass die Verbundenheit mit dem Evangelischen Sängerbund oft nicht so stark, wie angenommen und behauptet wird. Diese Beobachtung deckt sich mit dem Versuch unserer Musikreferenten, mit den Chören Kontakt aufzunehmen, die zwar Mitgliedschöre im ESB sind, aber nur lose mit uns verbunden sind. Trotz des erhöhten Engagements, diese Chöre auf Initiative der Musikreferenten im Sinne des Bundesvorstands zu besuchen, gelang es nicht, den Kontakt zu intensivieren.

Die sehr lose Verbundenheit mit dem Evangelischen Sängerbund als musikalischer Fachverband zeigt sich auch daran, dass die Chormitgliedschaft der Sängerinnen und Sänger nach Auflösung des Chores oder Rückzug aus der aktiven Gesangstätigkeit nicht in eine „automatische“ Einzelmitgliedschaft übergeht.

Die durchgeführte gemäßigte Beitragserhöhung hat dazu geführt, dass manche evangelische Kirchengemeinden, die die Chormitgliedschaft im Evangelischen Sängebund finanziell getragen haben, ihre Chöre abgemeldet haben. Es ist mir nicht bekannt, dass ein Chor dann von sich aus den Mitgliedsbeitrag aus eigener Kraft aufbringen wollte, um weiterhin ein ESB-Chor zu sein. Ist das nur das Schicksal eines Dachverbandes für Chöre oder ist das auch ein Zeichen fehlender Identifikation mit Herzmotivdem Auftrag und Ziel der musikalischen Arbeit im Evangelischen Sängerbund?

Was können wir also tun, damit der missionarische Auftrag unserer Arbeit wahrgenommen und wertgeschätzt wird? Was können wir tun, um gemeinsam den Menschen das Evangelium ins Herz zu singen?

 

 

Die Veränderungen bezüglich der Mitgliedschaft im Evangelischen Sängerbund im Berichtszeitraum sind folgende:

Die Zahl der gemischten Chöre sank von 91 auf 79, entsprechend die Zahl der gemeldeten Mitglieder der gemischten Chöre von 1950 auf 1701. Die Anzahl der Männerchöre beträgt konstant seit mehreren Jahren 2, aber die Mitgliederzahl wurde von 43 auf 39 gesenkt. Obwohl nur ein Frauenchor abgemeldet worden ist – jetzt beträgt die Anzahl 3 – sank die Mitgliederstärke von 82 auf 43. Die Anzahl der Jugendchöre sank von 7 auf 6. Außerdem gibt es einen Kinderchor. In beiden Chorkategorien werden die Mitglieder nicht erfasst. Die Zahl der Einzahlmitglieder sank von 601 auf 570. Demnach beträgt die Anzahl der Mitglieder zur Zeit 2.353 im Vergleich zu 2.676 im Vorjahr. 2014 sind 269 Mitglieder (davon in den Chören 226) ausgetreten und 17 Einzelmitglieder konnten gewonnen werden. 226 zu 17 zeigt, wie wenig Interesse daran besteht, die beendete Chormitgliedschaft in eine neue Einzelmitgliedschaft umzuwandeln.

Der Finanzbericht des Bundesschatzmeisters wird zeigen, dass die einfachen Personalkosten für zwei Musikreferenten, einem Geschäftsführer, einer Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle

und einem Buchhalter als geringfügig Beschäftigte im Jahr 2014 204.904,24 Euro betrugen. Erlauben Sie mir bitte, einmal folgendes zu rechnen. Auf die Mitglieder herunter gerechnet bedeutet das, dass jedes Mitglied 87,20 Euro im Jahr an Beitrag oder Spenden leisten müsste, um alleine die anfälligen, tariflich gebundenen Personalkosten aufzufangen. Der Jahresbeitrag von 32,00 Euro fängt noch nicht einmal die Hälfte der tatsächlich anfallenden Personalkosten auf. Was wir als Jahresbeitrag erbitten, ist übrigens für die Chorarbeit im Stadtgebiet meiner Pfarrgemeinde – zum Beispiel für die Chorgemeinschaft Gevelsberg – die Höhe eines Monatsbeitrags. Da ich aber auch erfahren habe, dass es auch Mitglieder im ESB gibt, die schon den Betrag von 32,00 Euro als finanzielle Belastung empfinden und nur mit Anstrengung aufbringen können, bin ich dankbar dafür, dass Menschen als Patinnen und Paten den Beitrag bezahlen. Ich nenne exemplarisch, weil ich das so erfahren habe, die Geschwister Bode, und hoffe, dass ihr Beispiel auch andere ermutigen wird, die Bedürftigen so zu unterstützen und so helfen, die Verbindung zum ESB aufrechtzuerhalten.

Wir haben allen Grund dankbar zu sein, dass immer noch viele Menschen durch ihre Spenden und freiwilligen Gaben die Arbeit im Evangelischen Sängerbund, die durch motivierte, engagierte und talentierte hauptamtlich und im Mini-Job arbeitende Mitarbeitende geschieht, darüber hinaus unterstützen. Die Arbeit ist zu wertvoll, so dass wir sie auch finanziell wertschätzen und erhalten wollen. Allen die dazu beigetragen haben und hoffentlich auch in Zukunft dazu beitragen werden, möchte ich an dieser Stelle herzlich danken.

Der Bundesvorstand hat sich in den zwei Bundesvorstandssitzungen und den zwei Sitzungen des geschäftsführenden Vorstands im Jahr 2014 intensiv mit neuen Überlegungen zur missionarisch-strategischen, zukunftsorientierten Arbeit im Evangelischen Sängerbund beschäftigt. So wurde der Arbeitskreis “Spurgruppe” gegründet. Davon werden die Arbeitskreismitglieder Hans-Victor Reuter, Berthold Schmitt, Friedhelm Geiß und Jürgen Groth der Bundeshauptversammlung ausführlich zu berichten wissen. Um den eingeschlagenen Weg fortsetzen und dafür die finanziellen Mittel bereitstellen zu können, hat es eine außerordent-liche Bundeshauptversammlung am 3. Januar 2015 in Hannover gegeben, auf der die “Spurgruppe” und der Bundesvorstand zur weiteren Arbeit ermutigt und autorisiert worden ist.

WömpnerObwohl unser Bundesschatzmeister Ralf Wömpner sein Ausscheiden aus der Bundesvorstandsarbeit frühzeitig angekündigt hat, ist es trotz intensivem Suchen nicht gelungen, der Bundeshauptversammlung einen Kandidaten für das vakant werdende Amt vorzuschlagen. Die ablehnenden Gründe sind verständlich und zeigen dennoch die Problematik der ehrenamtlichen Tätigkeit auf: zu große Belastung, familiäre Gründe, zu wenig Zeit, um nur wenige zu nennen. Das Amt des Bundeschatzmeisters ist ein ehrenamtliches Amt gewesen und kommt aus der Zeit, in der sowohl steuerrechtliche Fragen als auch Finanzbuchhaltung noch eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Für die Buchhaltung haben wir auf Mini-Job-Basis in Jonathan Erler als Nachfolger von Andrea Schmitt einen kompetenten Mitarbeiter gefunden, der über die Finanzen wacht, die Buchungen vollzieht und sich auch im Steuerrecht auskennt. Da die Verantwortung für die Finanzen im Evangelischen Sängerbund die Bundeshauptversammlung hat und der Bundesvorstand und der geschäftsführende Vorstand darüber Rechenschaft abgeben müssen, wird auch die Vakanz der Position des Bundesschatzmeisters die Arbeit im Evangelischen Sängerbund nicht hinderlich sein. Ralf Wömpner hat in 12 Jahren als Bundesschatzmeister weise und klug gewirtschaftet, das Geld vermehrt und gut angelegt. Sein berufliches Knowhow als Finanzbeamter in Minden ist dem Evangelischen Sängerbund immer zugute gekommen. Und ich freue mich, dass er mir mitgeteilt hat, auch zukünftig beratend im Hintergrund und auf Nachfrage zur Verfügung zu stehen. Vielen Dank, lieber Ralf, für die vielen gemeinsamen Jahren im Bundesvorstand.

bsf2014-A7-Flyer-CopyrightDas Bundesfest 2014 in Spremberg war eine Kooperation des Evangelischen Sängerbundes mit dem Gemeinschaftswerk Berlin-Brandenburg. Die Kooperation gelang gut und war durch gegenseitiges Vertrauen geprägt. Es wurde ein wunderschönes Fest. Die Veranstaltungen auf der Freilichtbühne konnten aufgrund des Wetters ebenso stattfinden, wie die Kahnfahrten mit Gottesdienst durch den Spreewald. Der RBB berichtete von dem Bundesfest wohlwollend und wertschätzend. Spenden, Teilnehmergebühren und Kosten deckten sich fast. Es entstand nur gemessen am Gesamtvolumen ein geringes Defizit. Das Miteinander aller Generationen, die Vielfalt der musikalischen Stilrichtungen, die Art und Weise zu musizieren können wir als Reichtum ansehen. Als Festredner konnte Jürgen Werth gewonnen werden.

Mit einem Zitat von Dorothee Sölle möchte ich diesen Jahresbericht schließen: „Man kann gar nichts tun, ist ein gottloses Zitat!“ In diesem Sinne bin ich zuversichtlich, dass auch das 117. Jahr des Evangelischen Sängerbundes nicht das letzte Jahr sein wird und wir zuversichtlich und voller Vertrauen Gott die Ehre geben durch die Musik.

 

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