60 Jahre Gemeinschaftschor im Bezirk Brackenheim

Singe fröhlich

Bericht vom 60jährigen Jubiläum des Gemeinschaftschores im Bezirk Brackenheim

War das eine Freude des Wiedersehens nach so vielen Jahren! Alle weit über 100 Sängerinnen und Sänger im Lauf von 60 Jahren waren mit ihren Angehörigen am ersten Novembersamstag eingeladen zu einem Jubiläumsnachmittag nach Brackenheim im „Schwäbischen Himmelreich“, dem Zabergäu. Hundert waren gekommen, inzwischen lange Großeltern, deren Kinder im Chor vor 30 Jahren jetzt bereits als Eltern mit ihren Kindern, Babies und schon „Große“, auch Gäste aus den „Nachbar“chören bis Österreich. Für viele war es ein Heimkommen in die wunderschön herbstlich bunte Weingegend.

Der Lobpreis-Chorsatz „Herr, dir sei Preis, du bist herabgekommen…Nur Leben seh ich, schau ich, Jesu, Dich…“, entstanden ein Jahr nach der Chorgründung 1955, gab das Grundmotiv des Nachmittags an. Mit Liedern und Eindrücken aus jedem der sechs Jahrzehnte wurde etwas vom erstaunlichen Segen des gemeinsamen Singens deutlich.

Der schon etwas ältere Grundschullehrer Gotthilf Pfeiffer, sah als „redender Bruder“ einige seiner teilweise durch den Krieg vaterlos gewordenen Schülerinnen und Schüler in der Gemeinschaftsstunde wieder. Er wusste: „Denen will ich mehr bieten als nur das Stillsitzen in Schule und Bibelstunde. So fing der Chor an und sang wenige Wochen später zum ersten Mal am Buß- und Bettag 1955 in einer „Monatsstunde“. Schönblick-Singwochen des Ev. Sängerbundes und die bei den Altpietisten neu aufkommende Chor-Singebewegung gaben auch diesem Chor Heimat und Aufschwung zugleich.

Alle Chorleiter von Gotthilf Pfeiffer über Karl-Heinz Schabel, Roland Schabel, Werner Kübler, Friedbert Kuhn bis Andreas Wöhr waren und sind musikalische Laien. Zum Glück gab es Chorleiterkurse und immer wieder Chorbesuche durch die Musikreferenten des Ev. Sängerbundes. So auch zu diesem Jubiläum: Thomas Wagler in seiner zum Mitsingen verführerischen Art brachte an den Vormittagen die Kinder in Pfaffenhofen, an den Abenden den Chor in Brackenheim und natürlich beim Jubiläum alle zum fröhlichen Mitsingen.

Kinder(sing)stunde

Nach Jahrzehnten geordnet wurden Erinnerungen an Lieder, Erlebnisse und Prägungen vorgetragen. Einige der besonderen Art seien auch hier festgehalten: In den streng pietistischen Elternhäusern war bis in die 60ger Jahre die Chorstunde für die Heranwachsenden die einzige erlaubte Möglichkeit, einen Abend außerhalb des Elternhauses zu verbringen. „Bei uns fängt der Sonntag schon am Samstagabend an“, weil die Chorstunden schon immer samstags stattfinden.

Im Chor hat man Singen gelernt, auch wenn man nicht singen konnte. Einzelne Chorlieder oder auch nur Liederzeilen waren in besonders schweren Zeiten, teilweise sogar bei getrübtem Bewusstsein gegenwärtig. Innerhalb des Chores, mehr noch durch Gesangsfeste, nah und fern, und durch Freizeiten wurden segensreiche Ehen gestiftet. Durch den Chor und seine Dienste bei vielen Veranstaltungen wurde Glauben geweckt und zu Jesus gefunden, und dies in allen 60 Jahren. Der Chor war Hilfe zum Leben. So hieß es im Gedicht einer ehemaligen Sängerin zum Lied „Singe fröhlich Gott, dem Herrn…der dich täglich neu beschenkt…dass an keinem Gut dir´s fehle…“: „Dass an keinem Gut dir´s fehle, für dich sorgt, die Schritte lenkt, so klang es oft aus unsrer Kehle, wenn wir im Chor uns angestrengt, und uns gemüht mit schweren Tönen, damit der Klang auch schön und rein, so manchmal war´n wir auch am Stöhnen, doch wir war´n nie verzweifelt, Nein!…. Doch stell ich fest, trotz aller Sorgen, trotz mancher Freuden und auch Leid, ich fühlte immer mich geborgen in Gottes Hand zu jeder Zeit.“

Nicht nur dem in den letzten Jahren kleiner gewordenen Chor rief unser früherer Musikreferent des Ev. Sängerbundes, Reinhold Weber, zu: „Lasset uns aufsehn zu Jesus,…Ehemalige und Aktive Sängerunseres Glaubens Anfang und Ziel..“ Unser früherer Gemeinschaftspfleger Fritz Bauder verwies im Schusswort auf das Ziel: „… im Himmel wird es besser klingen…. Und Reinhold Hecke, Gemeinschaftspfleger in den 70ger Jahren, legte in seinem Schlussgebet auch alle Verletzungen, die in 60 Jahren geschehen sind, vor Gott. So wurde es ein besonders bewegender Jubiläumsnachmittag.

Am Sonntagnachmittag, dem 8. November war zum besonderen Jubiläums-Bezirkstreffen in die klangvolle Kirche nach Pfaffenhofen eingeladen. „Herr, dieser Tag ist ein Geschenk aus deinen Händen…“ war der Auftakt des Chores. Es war besonders für die alt gewordenen Geschwister bewegend, wie die Kinder sangen:

Halleluja

„…Hirte, dir allein will ich gehorsam sein…“ und dann ihr fröhliches „Halleluja“ anschlossen. Mit dem Wort aus Hebräer 12 „…stärkt die müden Hände…macht sichere Schritte mit euren Füßen…“ ermutigte Gottfried Holland, auch Vorsitzender des Regionalverbandes Südwest des Ev. Sängerbundes, das Schwachgewordene gerade nicht – wie sonst eher üblich – auszusondern, sondern sich darum besonders zu kümmern, weil der Schwache auch von Gott geliebt ist. Dies darf geschehen aus einem sicheren eigenen Standpunkt, dessen Festigkeit sich begründet in der Nachfolge „Christus, unser Friede …“. Mit einem neu erlernten Lied schloss der Chor sein Jubiläum: „..und es wird Licht, es wird ganz hell, ein neues Leben aus Liebe beginnt. Gott du bist Licht, du machst es hell,…“

Friedbert Kuhn

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