Impuls von Pfr. Uwe Hasenberg – 24.04.2020

Wort der Ermutigung

 

Liebe Leserin und lieber Leser,

wieder ist es Wochenende. In mir erklingt das Lied:

“Wochenend´ und Sonnenschein
und dann mit Dir im Wald allein,
weiter brauch ich nichts zum Glücklichsein,
Wochenend´ und Sonnenschein!”

Das Lied sang eine der ersten Boybands in Deutschland aus den 20-er und 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts – die Comedian Harmonists. Die Situation, die beschrieben wird, erinnert mich an die gesetzlichen und freiwilligen Auflagen der Corona-Pandemie an diesem Wochenende: Es ist Wochenende. Die Sonne scheint. Zu zweit kann ich immerhin mit meiner Frau im Wald spazieren gehen. Aber wie sieht es mit der Aussage aus: Was brauche ich mehr zum Glücklichsein?
Da fällt mir schon etwas ein: Wie wäre es mit einem Gottesdienst in der Kirche? Wie wäre es mit einer Begegnung mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus in, mit und unter Brot und Wein beim Abendmahl? Wie wäre es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die ich schon lange nicht mehr gesehen und gesprochen habe? Wie wäre es, in einer Eisdiele vor einem Eisbecher zu sitzen mit einem Löffel und in der Hand, um wenige Sekunden später voller Lust das Eis genießen zu können. Und, und, und … Mir fällt ja noch so viel ein und ich denke: “Blödes Virus, du nervst!” Nein, ich bin kein Asket. Das war Jesus übrigens auch nicht. Darin unterschied er sich sehr von Johannes dem Täufer. Jesus, der Menschensohn, sagte: “Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder!” So steht es geschrieben im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 11. Aber wer macht es schon allen Menschen recht? Es ist so viel leichter einen gnädigen Gott zu haben, als einen gnädigen Mitmenschen. Angesichts dessen, wofür Gott von uns Menschen verantwortlich gemacht wird, sich rechtfertigen soll und was ihm vorgeworfen wird, wage ich das zu behaupten.
Nun behaupten einige Menschen, der Corona-Pandemie Gutes abgewinnen zu können. Das Virus zeige uns, was wir wirklich zum Leben brauchen und worauf wir getrost verzichten könnten. Flugreisen – gestrichen, Gevelsberger Kirmes – gestrichen, Fußballbundesliga – gestrichen… Wir üben uns ein, loszulassen. Aber so richtig gelingt das nicht. Schließlich ist die Sehnsucht nicht gestrichen, dass das, was gestrichen wird, eines Tages wieder möglich sein möge. Ich halte deshalb nichts davon, in dem Virus eine gute pädagogische Fachkraft zu sehen. Aber natürlich respektiere ich das, wenn jemand sagt, das brauche er nicht. Hoffentlich akzeptiert er auch, wenn ich sage: Ich schon!
Verzichten können ist gut und nützlich zur Ehre Gottes und zum Wohl von Mensch und Umwelt. Lebensfreude ist aber auch gut und nützlich zur Ehre Gottes und zum Wohl von Mensch und Umwelt. “Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?”, fragte Jesus seine Hörerinnen und Hörer in der Bergpredigt. Auch das überliefert der Evangelist Matthäus, Kapitel 6. Spannend ist es immer, sich die Frage nach dem Mehr zu stellen, das über dem absolut Lebensnotwendigem hinausgeht. Auch die Hörerinnen und Hörer des Evangeliums sollten sich diese Frage stellen.
Was würde wohl Jesus dazu sagen, wenn gesungen wird: “Jesus, du allein bist genug”? Er bekommt es oft zu hören, denn das Lied ist beliebt. Wofür soll Jesus genug sein? Für mich gibt es nur eine Antwort: Jesus ist genug, damit ich durch die Taufe und den Glauben Vergebung der Sünden, Erlösung von dem Bösen und aus Gnade ewiges Leben trotz Krankheit und Tod empfangen habe. Es ist genug, damit ich darauf vertraue, in und durch Gott erschaffen worden bin, im Leben erhalten und am Ende des Lebens vollendet werde. Das ist mehr als genug.
Angesichts dessen aber kann und will ich mich als Gottes Geschöpf an seinen guten Gaben erfreuen: an Wochenend´ und Sonnenschein, am Spaziergang durch die Natur, an der Zweisamkeit mit meiner geliebten Frau und an den Möglichkeiten, die trotz Corona erlaubt sind und hoffentlich bald wieder erlaubt werden. Was ist mit Ihnen?

 

Ihr Pfr. Uwe Hasenberg, Vorsitzender des esb

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