Impuls von Pfr. Uwe Hasenberg – 09.05.2020

Wort der Ermutigung

 

Jubilate, Kantate, Rogate – so heißen die drei aufeinander folgenden Sonntage nach Ostern vor Pfingsten. Jubilate: jubiliert. Kantate: singt. Rogate: betet. Dreimal dürft Ihr raten, welcher Aufforderung in einem öffentlichen Gottesdienst aufgrund der Schutzmaßnahmen in der Pandemie zur Zeit nicht gefolgt werden sollte? Richtig! Die Gemeinde soll nicht als Gemeinde singen. Auch Chorgesang ist verboten. Der Gesang in der Badewanne oder unter der Dusche ist davon nicht betroffen, auch nicht am 4. Sonntag nach Ostern, an Kantate. Zuhause können wir alle nach Herzenslust singen.
Herzenslust? Dem Gedanken gehe ich nach. An die Vorstellung, einen Gottesdienst in und mit der Gemeinde ohne Gesang zu feiern, muss ich mich zwar erst gewöhnen. Kennzeichen evangelischer Gottesdienste, dieses besondere Erbe der Reformationszeit, das, wofür die singenden Hugenotten Frankreichs sogar ihr Leben lassen mussten, einfach preiszugeben, fällt mir unsagbar schwer. Ein wenig Trost finde ich in den Worten des Apostels Paulus im Brief an die Kolosser 3,16: “Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.” Gott dankbar singen in unseren Herzen? Das ist mehr als Singen nach Herzenslust. Solches Singen soll tatsächlich auch ohne Mund möglich sein. Es gibt nicht nur Musik, die zu Herzen geht, sondern Musik, die im Herzen gesungen wird.
Das Herz ist in der Bibel der verborgene Ort im Menschen, den Gott ansieht. “Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.”, sprach Gott zum Propheten Samuel (1. Sam. 16,7). Gott selbst kritisiert rigoros, wenn die Gemeinde zwar laut mit dem Mund singt, aber dabei den Einsatz für Gerechtigkeit vernachlässigt und damit erkennen lässt, was eigentlich im Herzen ist. “Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.”, ließ Gott durch den Propheten Amos ausrichten (Am 5,23+24).
Was ist wichtiger als die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt? Das ist die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt. Paulus schreibt im Brief an die Römer (3,21ff.): “Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes, [= die vor Gott gilt], offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.
Das ist der Grund, warum wir Gottesdienst auch ohne den Gesang aus unseren Mündern und Kehlen feiern können, aber nicht ohne den Gesang unserer Herzen. In unseren Herzen erklingt die Melodie der Erlösung. Wir sind erlöst durch Jesus, den Christus, durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung von den Toten. Nichts trennt uns mehr von der Liebe Gottes aufgrund dieses Retters. Wer an Jesus, den Christus Gottes glaubt, der ist gerettet aus dem Einflussbereich dessen, was Leben vernichtet und zerstört.
Es gibt nicht nur die Corona-Viren, die selbst sterben, wenn sie den umgebracht haben, der sie leben lässt. Sie vernichten das, was sie zum Leben und Überleben brauchen. Wie bescheuert ist das denn?! Leider gibt es auch Menschen wie Corona-Viren. Sie wollen nicht begreifen, was sie leben lässt. Denn die Quelle des Lebens ist Gott, der Schöpfer der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Wer mit der Quelle des Lebens verbunden ist und bleibt, wird leben.
Die Einflussnahme, die uns alle von Gott trennen will, ist das, was die Bibel Sünde nennt. Wie viel Macht gewähren wir der einflussnehmenden Sünde? Hoffentlich doch so wenig wie möglich. Zu unserem eigenen Leben und Überleben und für das Leben und Überleben der Mitgeschöpfe in der Welt. Aber das ist uns Menschen aus eigener Kraft nicht möglich. Möglich ist das durch den Glauben und im Glauben.
Wer glaubt, akzeptiert, dass Gott gnädig, barmherzig und von großer Güte ist. Wer glaubt, akzeptiert, dass Christus in die Welt gekommen ist, um diese Welt und in dieser Welt uns zu erlösen und zu retten. Wer glaubt weiß, dass durch den Heiligen Geist ihm der Glaube geschenkt worden ist aus Gnade und Barmherzigkeit. Wer noch nicht glaubt, sollte Gott um diesen Glauben bitten und nicht daran zweifeln, ihn geschenkt zu bekommen. Jesus Christus sprach: “Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!” (Lukas 11, 9-13). Das ist ein Wort!
Der geschenkte Glaube lässt mich dankbar singen ohne Worte in meinem Herzen. Zwar ist mein Herz bezüglich des Singenwollens wie ein Dampfkochtopf unter Druck kurz vor der Öffnung des Sicherheitsventils. So wie Jesus gesagt hatte: “Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.” (Matthäus 12,34) Aber ich werde mich zurückhalten mit dem Singen in und mit der Gemeinde, auch am Sonntag Kantate. Es bleiben mir doch noch so viele Möglichkeiten zu jubilieren, zu beten, den eigenen Herzschlag in rhythmisches Klatschen umzusetzen, die Erlösung durch den Christus Jesus zu verkündigen, auf Gottes Wort zu hören, zu bekennen, zu staunen, zu danken, zu hoffen, zu lieben und zu glauben. Auch in der Gemeinde. Oder besser: gerade in der Gemeinde, mit der Gemeinde und für die Gemeinde. Wer macht mit?

 

Ihr Pfr. Uwe Hasenberg, Vorsitzender des esb

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